/ Dezember 10, 2019/ Nähanleitungen/ 2Kommentare

Die blumigen Einkaufstaschen kamen sehr gut an und ich wurde gefragt, wie ich sie nähe. Deshalb habe ich von Anfang bis zum Ende meine Arbeitsschritte dokumentiert und stelle sie hiermit frei zur Verfügung.

Für die nächste Einkaufstasche habe ich ein Stück festen Musterstoff (mehr als das eine Stück hab ich nicht, ich muss also damit auskommen. Dazu passend habe ich hier noch ein Stück Kunstleder liegen gehabt, was aus einem früheren Projekt übrig war. Als Futterstoff hab ich einen gelben Vorhangstoff genommen, der farblich ganz gut passt und die frischen Farben zusätzlich aufpeppt.

Ich gehöre zu denen, die nicht alle Teile vorab zuschneiden, sondern erst dann, wenn sie gebraucht werden. Falls ihr an dieser Stelle Größenangaben für Außenstoff, Innenstoff und Vlieseline erwartet, so werdet ihr diese nicht finden. Als Vielnäherin hab ich verschiedene Vlieseline meterweise (auf Rolle oder in großen Stücken da) und schere mich wenig darum, ob das Stück, das ich hab, noch ausreicht. Ihr müsst also selbst den Materialbedarf anhand der folgenden Angaben berechnen oder kreativ werden und euch Stoffstücke passend zusammennähen.

Vlieseline

Für Taschen aus festeren Stoffen und Jeans nehme ich Ronofix (tschechischer Hersteller). Für dünnere Stoffe ist er eher nicht geeignet. Ihr könnt statt dessen H 640 nehmen oder Style Vil oder auch kaschierten Schaumstoff. Zur Verstärkung der Innentaschen reicht eine dünnere Vlieseline. Hier nehme ich Ronopast 30 (auch tschechischer Hersteller, etwa vergleichbar mit H 200 )

Wir fangen einfach mal an. Fragen könnt ihr mir hinterher immer noch stellen, ok? Ich führe euch Schritt für Schritt vom Zuschnitt bis zur Fertigstellung durch, also keine Angst vor der Bilderflut.

LOS GEHT’S

Als erstes schneide ich das Bodenteil zu. Wie ihr an dem Zettelchen ablesen könnt, hat es die Maße 32 x 46 cm. Dieses ist aus Kunstleder, ihr könnt aber jeden anderen Stoff oder auch Jeans (Upcycling) nehmen. Bei Jeans müsst ihr evtl. das ganze aus zwei Teilen zusammen nähen. In dem Fall bügelt ihr die Nahtzugaben auseinander und Steppt sie schön ab, damit die Naht gut hält.

Dazu brauchen wir 2 Außenteile für die Tasche jeweils 35 x 46 cm. Je nach verwendetem Stoff oder wenn ihr Stoffreste benutzt, könnt ihr die Maße in der Höhe etwas anpassen. 35 cm ist die Höhe, 46 cm die Breite. Ihr könnt auch den Boden etwas in der Höhe „verlängern“ und die Seitenteile dafür kürzer zuschneiden. Das spielt keine Rolle. Nur kürzer als 30 cm würde ich für das Bodenteil nicht empfehlen, sonst sieht es im Endergebnis nicht gut aus.

Die Seitenteilelegt ihr nacheinander rechts auf rechts auf das Bodenteil und  näht sie an der längeren Seite (46 cm) an. Gerne nehme ich hierfür Stichlänge 2, bei dem Kunstleder hab ich Stichlänge 2,5 genommen. Anschließend bügelt ihr die Nahtzugaben in Richtung Bodenteil.

Ich mache mir die Arbeit einfacher. Nun lege ich das große Taschenstück auf Vlieseline und schneide die Vlieseline entsprechend der Taschengröße als ein Stück aus. Wer nicht so große Stücke Vlieseline verarbeiten möchte oder kann, der darf gerne für jedes der dreit Teile ein eigenes Stück schneiden und noch vor dem Nähen aufbügeln. Das geht auch. Mir ist es aber so herum lieber, damit ich keine Nahtwulst habe und die Festigkeit der Tasche unterstützt wird. Egal wie, jedenfalls wenn ihr in einem Stück die Vlieseline geschnitten habt, müsst ihr sie nun auf die linke Seite der Taschenaußenseite aufbügeln. !!! VORSICHT!!! Achtet darauf, dass ich eure umgebügelte Naht nicht verdreht und immer noch zur Bodenseite zeigt !!!

Anschließend steppt ihr an dem Bodenteil entlang der Naht ab. Ich steppe mit Stichlänge 3 bis 4 und 4,5 mm neben der Naht. So wird die Nahtzugabe mit erfasst und die Naht reißt bei Belastung der Tasche nicht.

Nun faltet  ihr das Außenteil rechts auf rechts (alle Seiten sind bündig und die Nähte des Bodenteils liegen exakt aufeinander). Stoff könnt ihr mit Stecknadeln stecken, Kunstleder müsst ihr klammern. Ich nehme meistens die Klammern auch für Stoff, denn es ist genauer und schneller.

Nun benutzt ihr am besten ein Lineal oder Geo Dreieck. Für die Taschenecken zeichnet ihr euch das Stück an, das später die Taschenecke bilden wird. Meine Tasche soll 12 cm tief sein, deshalb rechne ich mit einem Quadrat von 5 cm + 1 cm Nahtzugabe. Da ich die Seiten meiner Tasche noch nicht geschlossen hab, muss ich an der Seite die Nahtzugabe noch berücksichtigen. Ich lege also mein Lineal wie fogt an: von der Taschenseite 5 cm + 1 cm Nahtzugabe = 6 cm. Das Bodenteil ist nur gefaltet, dort wird nicht mehr genäht, deshalb reichen hier 5 cm. Ich zeichne also ein Rechteck 6 x 5 cm auf beiden Seiten an.

Bemerkung: Mit der Größe dieses Quadrates/Rechteckes bestimmt ihr die Tiefe der Tasche, jedoch verliert die Tasche an Breite

 

Wenn alles exakt ist, schneidet ihr diese Rechtecke aus. Nicht wegwerfen, diese könnt ihr noch benutzen. Mein Taschenaußenteil sieht von der linken Seite jetzt so aus

Das Außenteil der Tasche legen wir zunächst zur Seite und widmen uns dem Taschenfutter. Ich habe einen gut erhaltenen Stoff genommen, der früher ein Vorhang war.

FUTTER

Wie ich bereits erwähnte, versuche ich mir die Arbeit zu erleichtern. Ich lege den Futterstoff kantenbündig rechts auf rechts zusammen in der Größe, wie mein gefaltetes Taschenaußenteil ist und schneide es aus. Doch VORSICHT. Das Futterteil ist geringfügig kleiner als das Taschenaußenteil. Ich schneide zunächst die gleiche Größe aus, wie das Außenteil, kürze dann aber die spätere Taschenbreite um 0,5 cm und die spätere Taschenhöhe um 1 cm. Erst dann schneide ich die Ecken aus (gleiches Maß wie an der Taschenaußenseite, also 6 x 5 cm).

Die 0,5 cm schneide ich an einer der Seiten ab, wo der Stoff nicht gefaltet ist, den 1 cm an der Seite, die gegenüber der Faltung  liegt (später oberer Taschenrand)

Wer keine Innentasche nähen möchte, kann die nächsten Schritte überspringen, denn wir bereiten uns nun die Innentasche (Einstecktasche) vor. Mein Stoffstück hat eine Größe von 30 x 40 cm. Auf eine Hälfte dieses Stückes bügle ich Vlieseline (z.B. H 200), das an drei Seiten um 1 cm kleiner ist als die Hälfte des Stoffstücks (sorry, musste die Bilder wegen der Lichtverhältnisse etwas bearbeiten. Die Farben sind somit etwas verschoben)

Wie groß eure Einstecktasche wird, bestimmt ihr selbst. Ich werde meine später noch mittig steppen, damit zwei Taschen entstehen, deshalb ist mein Stück etwas größer.

Den so vorbereiteten Stoff faltet ihr rechts auf rechts und näht an drei Seiten füßchenbreit (entlang der Vlieskante), wobei ihr an einer Seite eine Wendeöffnung  lassen müsst. Bei mir ist sie unten. Anschließend kürzt ihr die Nahtzugaben an den Ecken, wendet das Teil, formt schön die Ecken aus und bügelt es

Die so vorbereitete Tasche steppt ihr an der Seite, wo der Stoffbruch ist, ab. Diese Seite ist dann später die offene Eingriffseite.

Um die Mitte zu bestimmen, faltet ihr das genähte Stoffteil und markiert diese. Ich nehme dafür Stecknadeln

Die so markierte Innentasche legt ihr auf die rechte Seite des Futterteils und steckt es fest. An einer Seite des Futterteils markiert ihr mittels eines Knicks die Mitte, legt ein Lineal an und positioniert die spätere Innentasche darauf. Bei mir sind es 8 cm von der Kante und die Stecknadeln liegen genau auf dem Knick des Futters. Die abgesteppte Seite der Innentasche zeigt in Richtung Futterkante (Lineal)

Ihr steppt jetzt die Innentasche an das Futter. Dabei wird auch die Wendeöffnung geschlossen. Fangt oben rechts an, lasst die Nadel an der Ecke im Stoff stecken, steppt die Unterseite und dann die linke Seite an das Futter. Weil meine Innentasche zwei Eingrifftaschen ergeben wird, steppe ich anschließend noch in der Mitte eine Naht. Das sieht dann alles so aus

 

WER KEINE INNENTASCHE NÄHT, KANN HIER WIEDER FORTSETZEN

TASCHENTRÄGER

Für die Träger schneide ich mir 2 Stück Gurtband 50 cm lang ab Breite 25 mm) . Mein Gurtband ist aus Polyester und franst nach dem Schnitt, deshalb „verschweiße“ ich die Enden leicht mit einer Feuerzeugflamme. Vorsichtig bitte, sonst schmort alles. Bei Baumwollband müsst und sollt ihr das nicht tun. Wer keine gepolsterten, mit Stoff bezogenen Träger haben möchte, kann die Gurte auch so annähen und steigt später wieder ein.

Aus Vlieseline (bei mir Ronofix) schneide ich 4 Streifen in Gurtbreite und Gurtlänge, also 2,5 x 50 cm.  Ihr nehmt  das Vlies, das ihr für den Taschenkorpus benutzt habt oder ein anderes höherbauschigeres Vlies).

Der Stoff zum ummanteln der Gurtbänder: Länge wie das geschnittene Gurtband und 4 x die Breite des Gurtbandes. Bei mir sind das 50 x 10 cm, alles zwei mal, denn wir wollen ja zwei Taschenträger haben.

Die Vlieseline wird von beiden Seiten an das Gurtband gebügelt. Dann werden die Stoffstreifen auf das Gurtband genäht. Füßchenbreit, die rechte Stoffseite ist vom Gurt abgewandt und sichtbar

Nun befinden wir uns beim Bügelbrett. Bei so festen Stoffen bügle ich zunächst trocken vor, hinterher mit ordentlich Dampf. Zunächst legen wir den Stoff einfach auf die Rückseite des Gurtbandes um (an der der Stoff nicht angenäht ist) und bügeln fest drüber.
Stoff noch einmal um das Gurtband „wickeln“ (oder das Gurtband um den Stoff, je nach Sichtweise) und wieder ordentlich eine scharfe Kante einbügeln. Es bleibt noch ein kleiner Stoffrest, den wir als Versäuberung links auf links umlegen und umbügeln. Ich mache das so, dass die Bügelkante bündig an der Gurtseite ist

Das sieht dann so aus

Jetzt wird an den langen Seiten knappkantig abgesteppt. 2 bis 3 mm von der Kante mit einer Stichlänge 3 – 4. Mein Stoffrest war nicht ganz so lang wie die Gurtbänder, deshalb habe ich sie nach dem Nähen geringfügig kürzen müssen. Wenn soetwas passiert, ist das kein Beinbruch, werden die Träger etwas kürzer, das ist nicht schlimm. Immer nur darauf achten, dass beide gleich lang sind und die Welt ist in Ordnung 🙂

 

 

WEITER GEHT ES MIT DEM ANNÄHEN DER TRÄGER AN DIE TASCHE

Jetzt benötigen wir wieder unser vorbereitetes Außenteil der Tasche. An beiden kurzen Seiten bestimmt ihr die Mitte. Ich markiere sie mit Stecknadeln. Von der Mitte aus misst ihr 7 cm auf jede Seite (links und rechts von der Stecknadel. Dieser Punkt ist der, wo die Mitte des Taschenträgers hin muss. Alles schön feststecken oder klammern

Die Träger müssen so angebracht werden, dass sie an beiden Seiten (links und rechts von der Stecknadel) mit der gleichen Trägerseite auf dem Taschenkorpus liegen. Am besten schaut ihr auf das nächste Bild. Wenn die Träger richtig herum angesteckt sind, näht ihr sie mit einem kurzen Stich (mehrmals drübernähen) innerhalb der Nahtzugabe an – also sollte eure Naht nicht zu nah an der Stoffkante sein, damit der Stoff nicht ausfranst oder ausreißt, jedoch nicht zu weit entfernt, damit sie später nicht sichtbar ist.

TASCHE FERTIGSTELLEN

Wir bleiben bei dem Außenteil der Tasche. Die Seiten legen wir exakt aufeinander und stecken sie fest. Hierbei bitte beachten, dass die Nähte zwischen Bodenteil und Oberteil wieder exakt aufeinander liegen. Seiten zusammennähen, Verriegelung nicht vergessen Die Nähte anschließend auseinander bügeln.

Die Taschenecken gehen ganz einfach. Die ausgeschnittenen Ecken helfen uns hier ungemein. Die Öffnung wird so geformt, dass die eben genähte Naht auf der mittigen Bodenfalte liegt. Feststecken, füßchenbreit mit einem kurzen Stich (2 mm) drüber nähen, sehr gut verriegeln und tadaa, die Tasche wandelt sich von einem Sack in eine Tasche mit Boden und schön geformten Ecken.

Den ganzen Vorgang wiederholen wir beim Futter: Rechts auf rechts legen, Seiten nähen, Nähte auseinander bügeln, Ecken abnähen Vorsicht: An einer Seite müsst ihr im Futterteil eine Wendeöffnung frei lassen. Mindestens 10 cm, besser sind 15 cm. Die Größe richtet sich nach der Stärke des Materials. Ihr sollt ja die Tasche noch wenden können, ohne dass euch die Nähte reißen oder sogar der Stoff beschädigt wird.

Jetzt habt ihr schon den größten Teil geschafft und seid bereits Profis. Was noch bleibt, ist das Futter in den Korpus zu bringen und das geht genau so einfach, wie die Ecken.

Der Korpus (das äußere Teil der Tasche faltet ihr auf links, falls ihr vorab schon neugierig gewesen seid und es umgedreht habt. Das Futterteil muss auf rechts gewendet werden.

Nun bestimmt ihr die Mitte der Taschenteile zwischen den Seitennähten und markiert sie. Das Futterteil steckt ihr in den Taschenkorpus. Die rechten Seiten des Außenteils und des Futters liegen aufeinander. An der oberen Kante der Tasche steckt ihr das Futter fest. Die Seitennähte liegen dabei aufeinander und die Mitten von Korpus und Futter ebenfalls. Steckt dicht um die ganze Kante. Danach näht ihr mit einem kurzen Stich ( Länge bei mir 2 mm) rundherum und verriegelt gut. An den Stellen, wo die Taschengurte angenäht sind, näht ihr ganz langsam. Wenn es eure Maschine nicht so gut schafft, helft ruhig per Handrad nach. Falls die Maschine sich beschweren sollte, der Stoff sei zu dick und ihr die Möglichkeit habt den Nähfußandruck zu erhöhen, so stellt ihn auf die höchste Stufe. Dann sollte es keine Probleme mehr geben. Ich nähe das mit meiner Maschine mit einer ganz normalen 80er oder 90er Nadel. Wenn es nicht gehen sollte, versucht eine Jeansnadel.

Hier könnt ihr noch einmal die Stelle mit den Trägern sehen

Jetzt müsst ihr nur noch die Tasche durch die Wendeöffnung wenden, die oberste Kantennaht umbügeln und die Wendeöffnung schließen (von Hand oder mit der Maschine). Wenn ihr euch traut, so steppt ihr mit einem langen Stich noch einmal alles an der oberen Kante ab. Meine Maschine schafft das ohne Probleme. Wenn es nicht mit eurer Maschine geht, könnt ihr die Tasche auch so lassen.

F E R T I G

Aus den Kunstlederstücken, die ich an den Ecken abgeschnitten hab, habe ich noch ein kleines Chiptäschchen genäht. So geht nichts verloren und wir haben tatsächlich so gut wie alles verwertet.

Genau so sind meine blumigen Taschen entstanden, die ich euch bereits gezeigt hab. Wie der Taschenriegel und das Chiptäschchen genäht werden, zeige ich euch nächstes Mal.

Wenn ihr Fragen habt, schreibt mir einfach, ich werde versuchen, euch aus der Ferne weiter zu helfen.

Diese Anleitung habe ich so geschrieben, wie ich die Taschen nähe. Die Anleitung wurde nicht von anderen getestet. Ich übernehme deshalb keine Haftung. Ich habe in diese Anleitung viel Zeit und Arbeit investiert. Deshalb steht sie auch nur für private, nichtkommerzielle Zwecke zur Verfügung. Jegliche gewerbliche Nutzung, auch in Form von Kursen ist untersagt. Wenn ihr die Tasche nach dieser Anleitung genäht habt, freue ich mich, wenn ihr mir Bilder schickt, die ich hier als Beispiel veröffentlichen darf. Auch bitte ich euch darum, dass ihr bei Veröffentlichung eurer Werke einen Hinweis auf diese Nähanleitung nicht vergesst.

Nun wünsche ich euch ganz viele gelungene Einkaufstaschen und freue mich schon sehr auf eure Taschen.

Eure Jana

 

 

 

2 Kommentare

  1. Jani děkujeme za perfektní návod. Určitě tašku chci také udělat. Hezké dny. Eva

    1. Dekuji. Doufam, ze alespon nekomu poslouzi. Hezky pozdrav, Jana

Hinterlasse eine Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sie sollten das verwenden HTML Schlagworte und Attribute: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>
*
*

*